
Ruinöse Hähnchen-Vertragsmast
Angesichts von mancherlei lobbyistischer Schönfärberei der agrarindustriellen Hähnchen-Vertragsmast hier eine aktuelle Kalkulation für einen Stall mit 40.000 Mastplätzen ( für Dehrenberg sind 2 davon mit zusammen 80.000 Tieren geplant, die meisten Zahlen sind somit zu verdoppeln!)
Angesetzt wurde eine durch Baupreissteigerungen und Gutachten mittlerweile auf 570.000 Euro erhöhte Investitionssumme (Angaben nach Pieper, Landwirtschaftskammer Nieder-sachsen, Wochenblatt Westf.-Lippe 43/2011), mit 3,5% fremdfinanziert. Außerdem die produktionstechnischen Daten des oberen Viertels der Betriebe im Betriebsvergleich der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – nämlich 2,368 kg Verkaufs-Lebendgewicht, 38,6 Masttage, 1,65 Futterverwertung, 4,16% Verluste, 7,27 Durchgänge pro Jahr mit 290.800 eingestallten Tieren (Geflügeljahrbuch 2012, S. 64):
Bei 2,368 kg Lebendgewicht und aktuellen Verkaufspreisen von 0,848 Euro je kg LG ergibt sich unter Abzug der Tier-Verluste für die 278.700 abgelieferten Tiere ein Verkaufserlös von 559.650 Euro. Zusammen mit dem Wert von 300 Tonnen Hähnchenmist a 24 Euro (7.200 Euro) ergibt das einen Gesamterlös von 566.850 Euro pro Stall und Jahr.
Abzuziehen sind die variablen Kosten: Erstens das Futter für die im Durchschnitt gefütterten 284.750 Tiere – bei 2,368 kg Endgewicht und einer Futterverwertung von 1,65 sind dies 1.112.575 kg, beim aktuellen Futterpreis von 335 Euro/t also Futterkosten von 372.712 Euro. Zweitens die Kosten für Küken von 0,34 Euro/Tier (98.872 Euro). Drittens Sonstige Direktkosten (Tierarzt, Medikamente, Desinfektionsmittel, Heizen, Strom, Wasser, Fremdlohn für Ausstallung etc.) in Höhe von 58.663 Euro (Geflügeljahrbuch 2012). Die Summe der variablen Kosten ergibt 530.247 Euro.
Zusammen mit Gebäude-Fixkosten für AfA und Zins in Höhe von 38.475 Euro ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von 568.722 Euro. Nach Abgleich mit obigen Gesamterlösen von 559.650 Euro ergibt sich aktuell ein jährlicher Verlust von 9.072 Euro oder 3,3 Cent je verkauftem Tier. Und das bei den oberen 25% der Mäster! Die durchschnittlichen Mäster verlieren pro Masthuhn aktuell fast das Dreifache, und die unteren 25% der Mastbetriebe legen ja schon seit Jahren viel Geld dazu.
Gleichzeitig warnen Experten wie Prof. Windhorst (Uni Vechta) vor der weiter anwachsenden, ruinösen Überproduktion im Verdrängungskampf der Schlachtkonzerne. Selbst wenn der Verbrauchszuwachs der letzten zehn Jahre so weiter gehen würde, könnte das bisherige Markt- und Preisgleichgewicht jährlich maximal 80 weitere Ställe (a 40.000 Plätze) verkraften. Geplant, beantragt und gebaut werden derzeit bundesweit sage und schreibe 900 Ställe…
Eckehard Niemann, Dipl.Ing.agr., 29553 Varendorf, 0151-11201634
Ergänzung:
Der Wert des Hühnertrockenkots ist betriebsindividuell zu kalkulieren: In den Intensiv- bzw. Überschussregionen bekommen die Mäster für den zu anderen (überregionalen) Abnehmern transportierten HTK kaum etwas oder müssen sogar dazuzahlen. In Ackerbauregionen ist der obige Wert anzusetzen, abzüglich Ausbringungskosten und evt. Pflanzenschutz-Mehraufwendungen für Problemunkräuter wie Hirse, die evt. mit dem HTK eingeschleppt werden
.
Wir Dorfbewohner fragen den Bauherrn: Ist es das wirklich wert, dass sich eine Familie im Dorf auf Kosten aller anderen Dorfbewohner und zu Lasten der Tiere und der Umwelt diesem finanziellen Risiko aussetzt?